Bikepacking Leidenschaft

Bikepacking – über eine Leidenschaft, die ansteckend ist.

Self-supported Langstrecken Mountainbike-Rennen. Da kommt es her. Und weil irgendwo das Gepäck hin musste, haben die Fahrer alles am MTB-Rahmen so zu befestigen, dass es Geländegängigkeit und Agilität nicht beeinträchtigt. Da es sich um ein Rennen handelt, musste das Gepäck auch noch möglichst leicht sein. Also: Minimalismus, um Zeit und Gewicht zu sparen. So der Ursprung dieser Sportart. Heute teilen die Leidenschaft Bikepacking immer mehr Menschen – auch ohne Renn-Charakter. Und vielleicht machmal auch nur für ein Wochenende. Hauptsache raus. Hauptsache Rad.

Über die Leidenschaft, die ansteckt.

Ein paar Gedanken, die antreiben. Entdeckst Du Dich wieder?

Schrauben

Die stetige Optimierung des Bestehenden. Immer mit der Idee des “Finalen”. Tüfteln. Basteln. Genervt sein. Abbrechen. Weitermachen. Kreatives Problemelösen. Ob mit zweckentfremdeten Teilen aus dem Baumarkt, Teilen aus der Restekiste, dem Internet oder mit Tipps einer leidenschaftlichen Community. Oder mit einem Provisorium, dass dann plötzlich ewig hält. Es macht eine wahnsinnige Freude, wenn etwas Neues entsteht, die Kette dann wirklich auf das 46er-Blatt steigt, obwohl SRAM schreibt, dass das nicht geht. Oder die Arschrakete endlich nicht mehr wackelt. Großartig. Mega. Ein Bikepacking-Fahrrad ist wie eine Modelleisenbahn: nie fertig. Und das Schrauben vor und nach jeder Fahrt gehört dazu wie die Fahrt selbst.

Träumen

Youtube leer saugen. Die üblichen Verdächtigen scannen. Suchwort: “bikepacking”. Oder: “Outdoor”, “Overnighter”, “Packliste bikepacking” u.v.m. Ergebnis-Sortierung: gibt es einen neuen Film? O ja! “6 hours ago”. Perfekt – gleich mal angucken!

Weiter zu Spotify: Podcasts durchforsten. BiketourGlobal, Die wundersame Fahrradwelt, Travel & Ride, ENJOYYOURBIKE, Radelmädchen. Habe ich welche vergessen? Bestimmt.

Packen

Neue Batterien in die Briefwaage. Tara. Excel auf, Equipment in Spalte B. Cool. Mit dem Kabel kann ich alle Geräte laden. Minus 46 Gramm. Ständiges Optimieren der Packfolge. Teile tauschen. Wetterbericht checken. Bivy? Zelt? Mist. Stechmücken. Zelt. Gesamtgewicht: Yes! Unter 100 Kg Systemgewicht. Mist. Trinkflaschen sind noch leer. Okay, dann sind es halt 102 Kg. Die nie final optimierte Packliste.

Instagram

Hashtag-Strategien, um alles mitzukriegen. Geiles Equipment. Gear Porn. Zoom. Mist, Auflösung zu niedrig, kann den Hersteller nicht erkennen. Virtuelle Freundschaften gründen. Echte Freundschaften gründen. Beim nächsten Event. In die Szene eintauchen, immer wieder die gleichen Namen. Gunnar Fehlau. Martin Moschek, Torsten Frank. Sofiane, cyclingrapha, und viele mehr. Wo nehmen die nur immer all die Zeit her? Haben die keinen Beruf? Familie?

Facebook

Hm. Mag ich eigentlich nicht mehr. Irgendwie zu neugierig, die Datenschutz-Verwirrungen sind mir auch zu kompliziert geworden. Keine Ahnung, was man darf, was nicht. Um seine Leidenschaft zu teilen braucht man ja schon fast einen Rechtsanwalt. Aber trotzdem: passiv mitbekommen was so läuft, ist schon ganz gut. Die Szene trifft sich nach wie vor dort. Veranstaltungen werden geteilt, Kontakte geknüpft. Vielleicht mach ich doch mal wieder mehr bei facebook. Aber irgendwie gezielter als früher.

Komoot

Standard. So wie Wahoo, Garmin und das iPhone. Macht halt doch schöne Bilder. Routenplanung. Der Puls steigt. Tankstellen, Supermärkte, Wasserstellen. Die übliche Planung, die dann doch kaum zum Einsatz kommt, aber ein beruhigendes Gefühl gibt.

Fahren

Dieses großartige Gefühl zu fahren um des Fahrens Willen. Kein “ich muss um 19 Uhr irgendwo sein”. Erlebnis vor Ergebnis. Einfach nur Kilometer machen. Oder stehenbleiben und das Motiv genießen, welches sich gerade zeigt. Sich zurückhalten und nicht jedes Bild machen. Das Bild im Kopf ist das Wichtige.

Und dann dieser ewige Dialog mit mir selbst. Ab Kilometer 100. Oder dem dritten Tag. Bis dann endlich die innere Ruhe eintritt. Ich mich atmen höre, neue Geräusche am Setup entdecke, die mich von nun an begleiten.

Panne

Genau. Geräusche am Setup. Irgendwann passiert es. Klingt nicht, wie es klingen soll. Schadensbild ermitteln. Klingt es beim Schalten komisch? Beim Treten? Lenken? Auf sich gestellt. Hoffentlich das passende Werkzeug eingepackt. Mist – Schaltauge eingepackt? Entschleunigung. Kein Ding, hab’ ja Zeit. Beim Absteigen schwitze ich noch. Ist der Reifen repariert, oder die Kette, oder das Loch in der Sattelstasche abgeklebt, die Inbusschraube wieder angezogen, der Kabelbinder abgeknipst. Jetzt noch die Schmiere an den Händen im Gras abgewischen, geht schon irgendwie. Blick auf die Uhr: Zeitverlust checken. Plan B nötig? Wird der Schlafplatz noch erreicht? In Wahrheit ist es egal. Erlebnis vor Ergebnis. Es geht weiter. Mit ausgeglichenem Puls. Und einem unbeschreiblichen Glücksgefühl.

Kampieren

Lenkerrolle auf, Zeltboden, Zelt, Überzelt, Gestänge, Haken. Alles ersteinmal raus. Steine und Zapfen wegräumen. Alles glatt, Wo ist das Gefälle? Luftmatratze aufblasen, Schlafsack reinlegen, Kopfkissen aufblasen, Merinokram anziehen. Perfekter Tag. Kleinigkeit essen. Im Trangia zubereitet. Großartig. Abspülen geht schnell. Das unterwegs gekaufte Bier ist noch kalt genug. Hoffentlich gibt es jetzt keine Dusche, wenn ich es aufmache.
Jetzt noch ein paar Dehnübungen, um den Apparat morgen wieder einsatzfähig zu bekommen. Ganz schön Kilometer gerissen heute. Aber auch viel gesehen. Das Knacken an der Gangschaltung muss ich mir morgen unbedingt nochmal genauer ansehen, bevor es weiter geht. Aber das kriege ich schon hin. Selbst, wenn das Schaltauge verbogen ist – ich habe ja noch ein zweites dabei …

Schlafen

Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Wertsachen alle im Zelt. Vielleicht nochmal E-Mails checken, Wahoo an die Powerbank anschließen, Bilder des Tages durchscrollen. Ein letzter Schluck aus der Trinkflasche.
Andere Umgebung. Andere Geräusche. Sie werden weniger. Auch die Umgebung geht irgendwann schlafen. Jetzt höre ich meinen Atem. Meinen Herzschlag. Alles warm eingepackt? Füße aneinander reiben. Kopfkissenposition optimieren. Augen schließen. Den Tage Revue passieren lassen. Großartiges Intro für einen großartigen Traum. Lächeln.

Angesteckt.

1 Kommentar zu “Bikepacking – über eine Leidenschaft, die ansteckend ist.”

  1. Genau so ist es…
    Sch… Arbeit. Muss mir einen neuen Beruf suche, sowas wie Biketester oder so…
    Mist, zu alt. Also alles zwischen Familie une Beruf quetschen.
    Aber der Moment auf dem Rad entschädigt die Starpazen des Alltags.

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